Der Kärntner Madrigalchor Klagenfurt wurde 1948 von Günther Mittergradnegger gegründet, von 1974 bis 1998 war Nikolaus Fheodoroff und von 1998 bis 2018 Klaus Kuchling dessen musikalischer Leiter. Seit 2018 leitet Melissa Dermastia den Chor. Eine Konstante in der künstlerischen Arbeit ist die Vielfalt; das Repertoire des Chores reicht von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik; vom Madrigal bis zu großen Chor-Orchester-Werken, vom Kärntnerlied bis Jazz. Drei künstlerische Leiter haben aber auch unterschiedliche musikalische Akzente gesetzt: Während unter Günther Mittergradnegger die Darbietung von Volksliedern, Madrigalen, Motetten und auch großen Chor-Orchester-Werken als prägend angesehen werden kann, setzte Nikolaus Fheodoroff vor allem durch die Interpretation zeitgenössischer Werke, aber auch die Aufführung bekannter und weniger bekannter großer Werke der Chorliteratur neue Impulse. Klaus Kuchling wiederum hat nicht nur diese Tradition fortgeführt, sondern gemeinsam mit dem Chor immer wieder auch die Grenzen des typischen Chorrepertoires be- und überschritten; so z.B. durch die Aufführung von John Surman’s »Proverbs and Songs«, durch Faschingskonzerte, die Darbietung eines Evensong oder von Sprechstücken für Chor.
In der über 75-jährigen Geschichte des Chores wurden viele gemeinsame Reisen im Inland, ins nahe und ins ferne Ausland unternommen. Der Kärntner Madrigalchor erhielt mehrfach nationale und internationale Auszeichnungen und kann auf viele musikalische Begegnungen mit anderen Chören, Chorleiter:innen und Musiker:innen zurückblicken.
Die Chorgeschichte aus kulturhistorischer Perspektive
Im Rahmen des Projekts Die Rolle des Kärntnerlieds in der Geschichte des Madrigalchors / Vloga koroške pesmi v zgodovini Koroškega madrigalskega zbora iz Celovca wurde der Kulturanthropologe Dr. Reinhard Bodner (Universität Klagenfurt) beauftragt, eine historisch-kritische Chorchronik zu verfassen. Dieses Projekt wurde im Rahmen des Erinnerungsjahres 2025 vom Kärntner Bildungswerk und der Kärntner Landesregierung gefördert.
Die Forschung stützt sich nicht ausschließlich auf Archivquellen. In Interviews mit ehemaligen Chormitgliedern und Chorleitern bzw. deren Angehörigen wurden auch neue Zeitzeugnisse geschaffen, besonders in Hinblick auf die Gründungsphase des Chors. Besonderes Augenmerk galt neben dem zeithistorischen Kontext der Nachkriegszeit auch der Programmgestaltung und Repertoire des Chores, dem Umgang mit dem Kärntner Liedgut und dem Einfluss der Kärntner slowenischen Sprache und musikalischen Tradition, wo diese in der Musikauswahl und im Chorleben sichtbar wurden.
Den aktuellen Zwischenbericht können Sie hier einsehen: