Wolffenbütteler Marienklage

Marienklage

WOLFFENBÜTTELER MARIENKLAGE KRZYSZTOF PENDERECKI – STABAT MATER 16. April 2011 Seminarkirche Tanzenberg ein Konzert im Rahmen von kultur.raum.kirche

AUSFÜHRENDE

Kärntner Madrigalchor Klagenfurt Ensemble Ordo Virtutum Kärntner Madrigalchor Klagenfurt Stefan Morent – Leitung Die Wolfenbütteler Marienklage wurde um 1420 in Braunschweig verfasst und stellt die Karfreitags-Szene unter dem Kreuz mit den drei Marien und Johannes dar. Die erste Aufführung durch das Ensemble »Ordo Virtutum« fand 1999 mit grossem Erfolg in der Krypta des Speyrer Doms mit der legendären Andrea von Ramm in der Hauptrolle statt. Für die aktuelle Wiederaufnahme wird die Marienklage mit Krzystof Pendereckis »Stabat mater« verwoben. Die vollszenische Aufführung stellt mit einer hochkarätigen Sängerbesetzung ein besonderes Ereignis dar. Mysterienspiel? Passionsspiel? Ferne, längst versunkene Formen? Uns Heutigen kommt vielleicht das Stichwort »Oberammergau« in den Sinn, als letztes Relikt einer seit dem frühen Mittelalter bestehenden Spieltradition. Das schwer Fassbare dieser »Spiele« ist ihre Zwitterstellung zwischen Liturgie und Theater. Sie gehen über die Liturgie hinaus, indem sie die sanktionierten Formen der Wortverkündigung durch Lesung, Gebet und Gesang überschreiten und die szenische Darstellung in den Mittelpunkt stellen. Vom Theater trennt sie, dass sie weder Sage noch Geschichte erzählen, sondern die Wahrheit des Evangeliums verkünden. Was dargestellt wird, ist eine bildlich-szenische Vergegenwärtigung (representatio) immer und immer wieder gehörter und tief verinnerlichter Texte der christlichen Liturgie. In der Neu-Inszenierung kreuzen sich unter dem Kreuz des Karfreitags Mittelalter und Moderne musikalisch: Zur »Wolfenbütteler Marienklage« tritt in Kontrast und geheimnisvoller Verbindung Krzystof Pendereckis  »Stabat mater«. Das 1962 komponierte Werk kommentiert und kontrastiert mit seinen eindrucksvollen Cluster-Klängen die »Marienklage« und zeigt, dass an Grenzflächen oft überraschend Neues und Verbindendes enstehen kann. Stefan Morent
Prof. Dr. Stefan Johannes Morent studierte Musikwissenschaften und Informatik an der Universität Tübingen, Blockflöte und Historische Aufführungspraxis bei Kees Boeke sowie Musik des Mittelalters bei Andrea von Ramm und Sterling Jones; 1995 Promotion, 2004 Habilitation, seit 2008 außerplanmäßiger Professor in Tübingen. Er lehrt an der Universität Tübingen und leitet ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt zur »Musikinformatik«. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Aufführungspraxis des Mittelalters sowie Einladungen als Gastdozent und Referent bei Akademien, Hochschulen, Festivals und internationalen Kongressen und Symposien in Europa, USA und Australien. Er lehrte und forschte außerdem in Trossingen, Wien, Hamburg, Detmold und Köln sowie als Visiting Professor an den Universitäten von Stanford und Berkeley (USA), 2011 Lehrstuhlvertretung in Heidelberg. Seit 2007 leitet er zusammen mit Benjamin Bagby/Ensemble Sequentia und Susanne Ansorg die »Akademie für Musik des Mittelalters« innerhalb der Landesakademie Ochsenhausen und ist künstlerischer Leiter des Festivals für Musik des Mittelalters »Vokalmusik entlang der Romanischen Strasse« in Rheinland-Pfalz. Das Ensemble Ordo Virtutum wurde vom Musikwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Johannes Morent gegründet. Ziel ist die Verbindung von Interpretation und musikwissenschaftlicher Forschung, um einen Zugang zur musikalischen Welt des mittelalterlichen Europa zu eröffnen. Das Ensemble arbeitete mit renommierten Interpreten mittelalterlicher Aufführungspraxis (Andrea von Ramm, Sterling Jones) zusammen und betreibt für jedes Projekt umfangreiche eigene Forschungsarbeit. Die erste USA-Tournee des Ensembles auf Einladung der Universitäten von Los Angeles und San Diego im April 2001 wurde mit großer Begeisterung aufgenommen, ebenso wie Gastspiele in Madrid (2002) und Slowenien (2005). Das Ensemble gastierte mit seinen Programmen bei zahlreichen internationalen Festivals in Europa, USA und Australien, bei denen von der Presse  »die artistische Meisterschaft in Gesang und Instrumentalspiel« besonders hervorgehoben wurde.
Wolffenbütteler Marienklage 6. April 2011 KLEINE ZEITUNG Mit Maria durch Berg & Tal kultur.raum.kirche startet sein Frühjahrsprogramm am Palmwochenende mit einem Passionsprogramm. Im Mai folgen Hadsch und Mariensingen. Es gibt einige Werke, die »jeder einmal in einer wirklich guten Qualität hören sollte«, ist Stefan Schweiger überzeugt. Dazu gehört seiner Meinung nach das »Stabat Mater« von Giovanni Battista Pergolesi. Kein Wunder also, dass der kultur.raum.kirche-Chef am Palmsonntag auf Marias Klage um den toten Christus setzt, immerhin startet das »Nicht-Festival« (©Schweiger) heuer erstmals schon in der Passionszeit. Der Auftakt wird allerdings tags zuvor mit einem anderen Stabat Mater gemacht: Krzystof Pendereckis Passionsstück (entstanden 1962) trifft in der Seminarkirche Tanzenberg auf die »Wolfenbüttler Marienklage« (um 1420). Und der Mittelalterspezialist Johannes Morent und sein Ensemble »Ordo Virtutum« treffen auf den Madrigalchor, der derzeit ziemlich im Stress ist: Nur eine Woche vorher steht das Konzert »Mozart trifft Bruckner« im Dom zu Klagenfurt auf dem Programm. Pilgerzeit Nach der Passionszeit folgt dann die Pilgerzeit: Am 6. Mai lädt kultur.raum.kirche zum »Hadsch«. Die von Andreas Staudinger inszenierte wanderung führt von der ehemaligen Pfalzkirche Karnburg bis nach Tanzenberg. Mit dabei sind unter anderen die Schauspieler Katharina Schmölzer und Maximilian Achatz, die Sopranistin Mirjam Andersen sowie Cantores aus Sardinien. Tags darauf pilgert man an einen ganz besonderen Ort: In der Pfarrkirche Maria Waitschach (Gemeinde Guttaring), die auf über 1130 Metern liegt und einen der frühesten Rokoko-Altäre Österreichs besitzt, werden »Marienlieder aus den Südalpen und dem Apennin« erklingen. Abgerundet wird das Programm im Marienmonat mit dem »Mariensingen« in der Seminarkirche Tanzenberg, das im Vorjahr »wie eine Bombe eingeschlagen hat«, so Schweiger. Mit dabei sind neben Kärntner Ensembles wieder die Cantores aus Sardinien. Marianne Fischer