Totentanz

TOTENTANZ
12. und 13. April 2000
Pfarrkirche St. Veit an der Glan
Dom zu Klagenfurt

AUSFÜHRENDE

Sprecher
Wolfgang Horvath
Markus Kofler
Andrea Pörtsch

Chor
Kärntner Madrigalchor Klagenfurt

Flöte
Michaela Papenberg

Orgel
Alexander Prem

Dirigent
Klaus Kuchling

PROGRAMM

Johannes Brahms
Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen, op. 74, 1

Marin Marais
Variationen für Flöte solo aus »Les Folies d`Espagne«

Johann Nepomuk David
aus »Choralwerk für Orgel«
Partita über  »Es ist ein Schnitter« (Dies irae)

Johann Sebastian Bach
aus »Partita a-moll für Flöte Solo«, BWV 1013
Allemande und Sarabande

Paul Celan
Todesfuge

Hugo Distler
Totentanz
14 Spruchmotetten zum Totensonntag, op. 12,2


Totentanz
15. April 2000
KÄRNTNER TAGESZEITUNG

»Auf einem steilen Weg nach oben«

Mit einer ungewöhnlichen Programmfolge hat der »Madrigalchor Klagenfurt« im bis auf den letzten Platz besetzten Dom zu Klagenfurt sein Passionskonzert bestritten; neben dem im Mittelpunkt stehenden »Totentanz«, 14 Spruchmotetten zum Totensonntag, op. 12,2 von H. Distler waren auch Werke für Querflöte von Marin Marais und J.S. Bach sowie die breit ausgesponnene Partita über »Es war ein Schnitter…« für Orgel von Johann Nepomuk David zu hören.

Paul Celans »Todesfuge«

Als Rezitation war die Todesfuge von Paul Celan ins Programm eingefügt. Sparsam eingesetzte Lichteffekte und Bewegungselemente haben im Ganzen zu einer aussergewöhnlich dichten Stimmung geführt, der sich kein Zuhürer hat entziehen können.

Zu danken war dies vor allem dem unter der Leitung des Domorganisten Klaus Kuchling stehenden »Madrigalchor«, der, was Homogenität und Intonation betrifft, auf steilem Weg nach oben sich befindet, so wie der ganz ausgezeichneten Flötistin Michaela Papenberg, die mit berührendem Ausdruck auch beim »Totentanz« entscheidende Akzente gesetzt hat.

Profundes Wissen

Alexander Prem bewies sein grosses Können und profundes Wissen um differenzierte Registrierung an der Orgelpartita.

Als Sprecher haben sich Andrea Pörtsch, Wolfgang Horvath und Markus Kofler profiliert.

Überaus eindrucksvoll auch »Warum ist das Licht gegeben…« und weitere Chormotetten von Johannes Brahms, die zu Beginn des Konzertes erklangen.

Im Ganzen ein sehr stark beeindruckener und ausdrucksvoller Abend im Dom, der allerdings etwas zu lang geraten war und eigentlich ohne Beifall hätte enden sollen.

oe


Totentanz
15. April 2000
KRONENZEITUNG

Wenn der Tod zum Tanz bittet

Die letzte Kerze brennt noch. Der »Tod« hält sie umschlossen in den Händen. Sein weiß geschminktes Gesicht mit den schwarzen Augenhöhlen erstrahlt kurz im Schein des »Lebenslichtes« – dann bläst er es aus. Tosender Applaus brandet in die Stille des nachtdunklen Klagenfurter Doms, in dem der Madrigalchor unter Klaus Kuchling zum »Totentanz« bat.

Auf dem sakralen »Hörpfad« der etwas anderen Art begegnete man am Donnerstag dann: dem Chor mit einem leicht gängigen Brahms, Organist Alexander Prem mit der aufgebrochenen Rhythmik von David, Michaela Papenberg mit melancholischen Flötenvariationen von Marais und Bach. Sowie Distlers dramatischem »Totentanz« – dem mystischen Schlusslicht des Abends.

Drei Sprecher rankten ihre Stimme um die 14 Spruchmotetten, die diese zeitgenössische Chormusik zum Leben wollen und Sterben müssen begleiten: Wolfgang Horvath, Markus Kofler, Andrea Pörtsch.

Im Dialog mit dem Tod (von Horvath gleichermaßen intensiv wie theatralisch in Szene gesetzt) entstand so ein Geflecht aus Musik und Wort, das dem »demokratischen« Aspekt des Todes huldigt und hörbar machte, wie schön Sterben klingen kann.

Irina Lino


Totentanz
20. Juli 2000
KIRCHENZEITUNG

Totentanz

Neue Wege in der Gestaltung von Passionskonzerten aufzutun scheint ein deutliches Anliegen von Klaus Kuchling, Domorganist und Leiter des Madrigalchores Klagenfurt, zu sein. Das hat sich nicht nur in der Gestaltung des Programms von »Totentanz«, sondern auch in der vorsichtigen Einbeziehung von Beleuchtungseffekten und Bewegungselementen gezeigt. So gesehen war eine besonders ausdrucksstarke Passionsfeier zu erleben, die das »Memento mori« stark in den Vordergrund rückte und damit eine aussergewöhnliche Wirkung auf die vielen Andächtigen im Dom zu Klagenfurt ausübte. Hätte es da nach dem Verlöschen sämtlicher Lichter noch des Beifalls bedurft?

Zum Chor selbst: Die intensive Arbeit mit dem nun rund vierzigköpfigen Chor trägt ihre Früchte; die Ausgeglichenheit zwischen den einzelnen Stimmgruppen ist beispielhaft, ebenso die Tonreinheit, und so war es kein vermessenes Unternehmen, als Hauptwerk Hugo Distlers »Totentanz, 14 Spruchmotetten zum Totensonntag, op. 12,2« in den Mittelpunkt des doch etwas zu langen Programms zu stellen. Distler hat mit seinen Quartakkorden und Quintengängen neue Wege in der Chormusik beschritten, und es ist erfreulich, dass sich der Madrigalchor besonders der Pflege dieser doch sehr schwierig zu singenden Chorliteratur verschrieben hat.

Verdienstvoll beteiligt an der Gestaltung es »Totentanzes« waren auch die Sprecher Andrea Pörtsch, Markus Kofler und Wolfgang Horvath.

Alexander Prem war eine wirkungsvolle Wiedergabe der Orgelpartita »Es ist ein Schnitter« von Johann Nepomuk David zu danken, und besonders hervorzuheben ist das ungemein ausdrucksvolle und auch technisch perfekte Spiel von Michaela Papenberg (Flöte) mit Werken von Marin Marais und Johann Sebastian Bach. Begonnen hat dieses Konzert mit Johannes Brahms` wuchtigem »Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?« und weiteren kleinen Motetten von Brahms. Der Beifall war sehr herzlich und lang anhaltend.

eo