Madrigalchor Klagenfurt

The Bernstein/Britten Project

THE BERNSTEIN/BRITTEN PROJECT
18. Mai 2003 – Dom zu Klagenfurt
20. Mai 2003 – Stadtpfarrkirche Villach

AUSFÜHRENDE

Solisten 
Christina Posch – Sopran
Karin Prenner – Alt
Franz Josef Isak – Tenor
Martin Leitner – Bass

Chöre
Volkalensemble Kärnten
Leitung – Franz Josef Isak

Kärntner Madrigalchor Klagenfurt

Harfe
Ulrike Mattanovich 

Schlagwerk
Gerfried Krainer 

Orgel
Robert Kovacs 

Dirigent
Klaus Kuchling 

PROGRAMM

Benjamin Britten
Rejoice in the Lamb

Carlos Salzedo
Scintillation

Zoltan Kodaly
Pange Lingua

Mitchell Peters
Three mallet fantasies

Leonard Bernstein
Chichester Psalms


The Bernstein/Britten Project
24. Mai 2003 
KÄRNTNER TAGESZEITUNG


Süßer »Katzenfrieden«

Programmauswahl mit viel Fingerspitzengefühl und höchste Präzision: Das Ergebnis ein großes Chorerlebnis mit einem ambitionierten Projekt. Musik des 20. Jahrhunderts vom Schönsten.

Klagenfurt, Villach. Der Madrigalchor Kärnten und das Vokalensemble Kärnten boten in zwei Aufführungen in Klagenfurt und Villach ein ganz besonderes Chorereignis. »The Bernstein-Britten-Project«  war der Titel eines von Leiter Klaus Kuchling mit viel Gespür zusammengestellten Programms. Groß der Chor, sparsam die Orchestrierung: Lediglich Orgel (Robert Kovacs), Harfe (Ulrike Mattanovich) und Schlagwerk (Gerfried Krainer) gaben den Chorwerken von Komponisten der klassischen Moderne noch mehr Strahlkraft. Harfe und Marimba erklangen zwischen den Chorteilen noch jeweils in einem Solostück. Vor allem das Marimbastück »Three Malet Fantasies« von Mitchell Peters gefiel in der Darbietung von Gerfried Krainer ungemein.

Die Geparden laufen

Säulen des gelungenen Chorabends waren Benjamin Brittens »Rejoice in the Lamb« und Bernsteins »Chichester Psalms«. Das Rejoice (»Jubelt«) ist nach dem rührend naiven, manchmal etwas seltsam anmutenden Text von Christopher Smart komponiert, einem religiösen Exzentriker, der im 18. Jahrhundert sogar ins Irrenhaus kam. Sein Gotteslob wurde durch die Schilderungen von Tieren, auch Haustieren wie etwa seiner Katze, deren »Friede, wenn sie ruht« das Allerschönste ist, lebendig. Britten lässt Geparden und Tiger auch in dramatischen Läufen – die Notenzeilen auf und ab – vor dem Ohr des Zuhörers erscheinen.

Bei Thomas von Aquin hatte sich Zoltan Kodaly nach einer Textgrundlage umgeschaut. Der Ungar vertonte dessen »Pange Lingua«, das der Chor mit der gebotenen Schlichtheit und Expressivität sehr eindrucksvoll gestaltete. Ein Höhepunkt Bernsteins Musik zu den »Chichester Psalms«. Diese sind nach Wunsch des Komponisten Hebräisch zu singen und gelangen dem Chor mit viel Inbrunst. Damit hat der Kärntner Madrigalchor Klagenfurt gemeinsam mit dem Vokalensemble Kärnten (man erinnere sich etwa an den großen Erfolg im Mai 2002) eine wunderbare Leistung hingelegt.

fdg


The Bernstein/Britten Project
22. Mai 2003 
KLEINE ZEITUNG

Aus watteweichen Klängen wurden Raubtiersprünge

Bernstein-Britten-Projekt als hörenswerter Abend

Klagenfurt/Villach. Viel Gedankenarbeit und Geduld: Klaus Kuchling und sein Madrigalchor sowie die Reservespieler des Vokalemsembles Kärnten legten sich mit »The Bernstein-Britten-Projekt« die Latte hoch. Hoch für das, was nachfolgt.

Denn so spirituell dichte, musikalisch anrührende Abende, wie sie das Programm in Klagenfurt und Villach bot, sind selten. Dahinter steht ein Konzept, das den Musikern alles, den Zuhörern viel – aber nicht zu viel! – abverlangt. Originelle bis anspruchsvolle Texte, dazu klare, ausdrucksstarke Musik. Britten lässt in der Kantate »Rejoice in the Lamb« mit dem Text des gern auch am unerwünschten Ort predigenden (weshalb er im Irrenhaus landete) Christopher Smart ein ganzes Tier-Szenario aufmarschieren.

Der Chorklang entwickelt sich aus einem erst watteweichen, auf einem gleichen Ton gehaltenen »Rejoice in God, O ye Tongues«, unterstützt mit sparsamen Orgeleinsprenkseln (Robert Kovacs) bis zu Raubtiersprüngen und dem festen Schritt des Jägers. Smart führt seine eigene Katze als Beispiel der Natur an, die Gott lobt, »indem sie ist, was sie ist«, heißt es im Programmheft. Dieses lädt übrigens ein, sich den Chören anzuschließen.

Hebräisch ist dann Pflichtübung für Bernsteins »Chichester Psalms«. Schwungvoll wird mit »Psalter und Harfe« aufgeweckt (Ps. 108,3), man wandert mit fast gruseliger Bedrängnis durch finstres Tal (Ps. 23) und muss nichts fürchten; Adonai ist ja da, mein Hirte.

BE


The Bernstein/Britten Project
22. Mai 2003
KRONEN ZEITUNG 

Sakrale Spitzen

Erst der übervolle Klagenfurter Dom, dann die halbleere Villacher Stadtpfarrkirche: »Wir sind halt auf fremdem Territorium« nahm´s »Projektleiter« Klaus Kuchling gelassen. Kann er auch: Sein Bernstein-Britten-Abend ist schlechthin großartig. Vielleicht findet sich ja noch ein Termin mit entsprechendem Zuspruch.

Denn die Begeisterung entsprach da wie dort dem Anlass: So konzentriert, so gediegen wird Sakralmusik selten zusammengestellt und musiziert! Madrigalchor, Vokalensemble Kärnten, vier bis auf kleine tenorale Schwächen sehr gute Solisten, Robert Kovacs an der Orgel, Ulrike Mattanovich an der Harfe und Gerfried Krainer am Schlagwerk: Alle zusammen bei Bernsteins plakativen »Chichester Psalms« sozusagen als finale Sphärenmusik mit scharfen Kanten. Davor das Schlagwerk meditativ, die Harfe jazzig, die Orgel unterstützend bis massiv.

Der Chor von umwerfend ausgewogen rundem Klang kostete mit perfekter Intonation die Schräglagen bei Kodalys »Pange Lingua« aus; und beeindruckte mehr noch bei Brittens einleitendem »Rejoice in the Lamb«, das den fast dadaistisch anmutenden Text von Christopher Smart (1722-1770!) genial umsetzt.

Frieda Stank