Madrigalchor Klagenfurt

Passio von Guido Morini

PASSIO – ZWEITER TEIL DER TRILOGIE SERVABO
Uraufführung
24. März 2012
Seminarkirche Tanzenberg 

AUSFÜHRENDE

Marco Beasley – Tenor
Rosella Croce – Violine
Katrin Lazar – Fagott
Ricardo Coelati Rama – Kontrabass
Franco Pavan – Theorbe
Guido Morini – Orgel
Juventus Musica – Leitung: Karin Krassnitzer
Kärntner Madrigalchor Klagenfurt
Dirigent– Klaus Kuchling

Der Komponist  über sein Werk:

Nach dem ersten Kapitel der Dreieinigkeitstrilogie Servabo, »Vivifice spiritus vitae vis« – dem heiligen Geist gewidmet, gelangt nun der zweite Teil zur Aufführung, der Christus, den Sohn Gottes, in den Mittelpunkt stellt. Der Text dieser »Passio« ist dem Johannesevangelium entnommen.

Die Besetzung sieht einen Solisten, einen Chor und eine kleine Continuogruppe vor.

Wie in der antiken Tradition wird die direkte Rede stets polyphon umgesetzt, während das Erzählen mit wenigen Ausnahmen dem Solisten vorbehalten bleibt.

Meine Passion gliedert sich in vier Teile, welche von auf der Violine gespielten Intermezzi – Augenblicken der Meditation, die die Entwicklung des Geschehens kommentieren – umrahmt werden.

Die Handlung beginnt nicht wie gewohnt mit dem Verrat des Judas in Gethsemane (Kapitel 18), ihr wird der letzte Vers des vorigen Kapitels (17, 26) als Prolog vorangestellt.

Der zweite Teil schließt mit dem Urteil des Pilatus, mit dem Kapitel 19 (dritter Teil) treten wir in die grausamste Phase der Passion ein: Jesus wird von den Soldaten gegeißelt und verspottet.

Der vierte und letzte Teil spielt auf Golgotha, die Mutter zu Füßen des Kreuzes. In diesem Abschnitt (dessen Text das »Stabat mater« inspirieren wird) blüht thematisches Material aus »Vivifice spiritus vitae vis« wieder auf. So bestätigt sich die Einheit der Trilogie sowohl in musikalischer als auch theologischer Hinsicht.

Guido Morini

Übersetzung: Anne Maria Dragosits


Accordone – Marco Beasley & Guido Morini

Marco und Guido zählen unbestritten zu den Künstlern, die in den letzten Jahren eine besondere Beziehung zu Kultur.Raum.Kirche und zur trigonale aufgebaut haben. Seit 2003 standen sie mehrfach hier auf der Bühne, und stets gelang es ihnen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ihr leidenschaftliches Interesse für Fragen der Darbietung und ihre Begeisterung für die italienische Vokalmusik von der Renaissance bis ins frühe 18. Jahrhundert veranlasste die beiden im Jahr 1984 zur Gründung von Accordone. Der Wunsch, sich auf der Bühne noch stärker an den im 17. Jahrhundert gültigen Regeln zu orientieren, führte schließlich dazu, sich einer Form von Konzert zuzuwenden, in dem der dramatische Aspekt noch stärker in den Vordergrund tritt und sich der Sänger in einen Bühnencharakter verwandelt.

Darüber hinaus nahmen sie die Herausforderung an, den Instrumenten eine für die Stücke des jeweiligen Programms »maßgeschneiderte« Rolle zuzuordnen. Aus dieser Herangehensweise entstand im Jahr 2001 Una Odissea, eine von Guido zu Texten von Marco komponierte Oper. Im Jahr 2003 erschien Accordones erste Studioaufnahme La Bella Noeva beim Label Alpha. Im Jahr darauf folgte Vivifice Spiritus Vitae Vis, ein geistliches Werk von Guido zu lateinischen Texten des Alten Testaments. Die Alben Frottole und Recitar Cantando sind die ersten beiden Aufnahmen für das belgische Label Cypres; sie wurden 2005 bzw. 2006 veröffentlicht.


Es waren Guido Morini und Marco Beasley selbst, die im Sommer des Jahres 2006 bei einem Besuch des Maria Saaler Domes den Wunsch äusserten, eines Tages in diesem wunderbaren Kirchenraum auftreten zu können. Nur drei Jahre später – im Mai 2009 – sollte er sich erfüllen: Gemeinsam mit dem Madrigalchor Klagenfurt und dem Juventus Musica Viktring gelang es uns, unter der Leitung von Klaus Kuchling den ersten Teil  – Vivifice spiritus vitae vis – von Guidos Werkzyklus Servabo zur Aufführung zu bringen.

Dass wir nun – nach drei weiteren Jahren – mit der Uraufführung der Passio von Guido Morini in der Seminarkirche Tanzenberg die Fortsetzung dieser grossartigen Zusammenarbeit erleben dürfen, erfüllt uns mit grosser Freude und Dankbarkeit.

Stefan Schweiger – Obmann von kultur.raum.kirche


Passio 
22. März 2012
KLEINE ZEITUNG

Klangvoller Leidensweg
Der Leidensweg von Christus in neue Töne gehüllt: Am Samstag wird Guido Morinis »Passio« in der Seminarkirche Tanzenberg uraufgeführt.

Im Mai 2009 ging Kultur.Raum.Kirche auf Tuchfühlung mit dem Heiligen Geist: Auf dem Programm stand mit »Vivifice Spiritus Vitae Vis« Teil eins von Guido Morinis Dreieinigkeitstrilogie »Servabo« im Dom zu Maria Saal.
Dass Teil zwei nun drei Jahre später bei Kultur.Raum.Kirche seine Uraufführung erlebt, erfüllt dessen Chef Stefan Schweiger mit »großer Freude und Dankbarkeit«: Die »Passio«, die naturgemäß den Leidensweg Christi erzählt, wird am Samstag in der Seminarkirche Tanzenberg aus der Taufe gehoben. »Der Text ist dem Johannes-Evangelium entnommen«, so Morini, der in der finalen Golgotha-Szene wieder das thematische Material aus »Vivifice spiritus« aufnimmt: »So bestätigt sich die Einheit der Trilogie sowohl in musikalischer als auch theologischer Hinsicht«, so der italienische Organist, Cembalist und Komponist.
Nach Tanzenberg bringt er als Solisten wieder Marco Beasley mit – gemeinsam mit dem Tenor hat er 1984 das Ensemble Accordone gegründet. Und wie schon vor drei Jahren in Maria Saal gibt es eine starke Kärntner Beteiligung: Die musikalische Gesamtleitung liegt in den bewährten Händen von Klaus Kuchling, dessen Madrigalchor Klagenfurt wieder gemeinsam mit dem Juventus Musica Viktring (Leitung: Karin Krassnitzer) den Chorpart bestreitet. »Die Musik hat eine meditative Grundhaltung und ist sehr stimmungsvoll: schlicht, aber packend«, macht Kuchling Gusto auf diese musikalische Einstimmung auf die Osterzeit.

Marianne Fischer


Passio
23. März 2012
KRONENZEITUNG

Höhenflüge mit der Faust im Nacken
Er kommt gerade aus der Toskana, wo er lebt, und ist bester Laune. Obwohl bei Guido Morini bestens gestimmt, besser passen würde. Denn der »Accordone«-Musiker hat eine Komposition im Gepäck, die mit »Passio« Teil zwei der »Servabo«-Trilogie zur Uraufführung bringt. Im Gespräch erzählt der Mailänder von Höhenflügen und der Faust im Nacken.
Er ist ein selten angenehmer Gesprächspartner, der leise Mann mit dem bubenhaften Lächeln und den ungezähmten Locken. Und würde man es nicht besser wissen, man käme nie auf die Idee, dass ein Star der Alten Musik vor einem sitzt.
Seine Worte wählt der Komponist, Organist und Cembalist mit Bedacht. Was ihm seine Musik bedeutet, schwingt in jeder Silbe mit: »2009 im Maria Saaler Dom stand zum Auftakt meiner Dreieinigkeitstrilogie der Heilige Geist im Fokus. Die Klangsprache dafür war von schwebender Leichtigkeit und einer gewissen Einfachheit geprägt. Teil zwei hätte den Vater behandeln sollen. ER ist das absolute Mysterium, kaum greifbar, kaum begreifbar. Also habe ich mich auf den Sohn konzentriert und den Leidensweg Jesu vertont, der mir leichter gefallen ist. Die Matrix dafür ist wie immer die Alte Musik, die ich neu interpretiere. Der Text folgt dem Johannes-Evangelium, der musikalische Ausdruck, für den Geigerin Rosella Croce den erzählenden Part übernimmt, ist dramatischer angelegt als bei ›Vivifice Spiritus‹, wird aber auch von inniger Freude getragen.« Nicht erfreut, aber gewohnt ist Morini, dass er für kompositorische Höhenflüge »die Faust im Nacken spürt«. Dass das Ergebnis dennoch für sich klingt, ist morgen um 19 Uhr in der Seminarkirche Tanzenberg hörbar.

Irina Lino