Madrigalchor Klagenfurt

Gottesdienst

GOTTESDIENST Freitag, 30. Mai 2014 – 18.30 h Basilica Santa Eufemia, Grado (Italien) AUSFÜHRENDE Chor Kärntner Madrigalchor Klagenfurt Klarinette Simon Pibal Zelebrant Mons. Don Armando PROGRAMM Werke von Länger, Duruflè, Distler, Kraft, Gabrieli. F.l.a.s.h.m.o.b ... was ist denn das? Anfang Juni. Mitten in Grado. Italien. Ein wolkenloser Tag. Summertime, and the livin’ is easy. Menschen bummeln durch die Straßen, die Cafes sind gut besucht. Cappuccino. Meeresluft. Miniröcke. Kinderlachen. Strohhüte. Ein junger Mann packt seine Klarinette aus und beginnt zu spielen: Summertime, and the livin’ is easy. Ein Straßenmusikant? Doch dafür ist er nicht passend gekleidet, und Hut für Münzen ist auch keiner zu sehen. Er scheint aus reiner Freude zu spielen. Ein Summertime-Flanier-Klarinettist. Eventuell auch eine Erfindung des lokalen Tourismusmarketing, bei denen weiß man ja nie ... Aha! Doch Straßenmusikanten. Denn plötzlich mischen sich noch andere Klänge zur Klarinettenmelodie. Trommelton und die hellen Akzente eines Tamburins. Die Melodie verändert sich. Irgendwann habe ich sie schon einmal gehört, sie kommt mir so bekannt vor. Wahrscheinlich ist das lustige Trio mit dem Besitzer des Cafes befreundet. Sonst würden sie ja nicht an dessen Tischchen sitzen. Eine nette Idee. Mal was anderes als die ewige Dauerberieselung mit Konservenmusik. Was Echtes eben. Nur, warum schaut der cameriere so irritiert? »Soll ich die banda rausschmeißen oder ihnen einen Campari hinstellen?« scheint zwischen seinen Stirnzeilen geschrieben. Rausschmeißen wird schwierig werden, denn jetzt bekommt das Trio Damenverstärkung. Das gebietet dem seniore einen charmanten Umgangston, in Italien sowieso. Gitarre und Flöte haben die beiden mitgebracht ... Na endlich! Jetzt ist der Groschen gefallen. Adiemus heißt der Ohrwurm. Ich glaube es war Enya, die das gesungen hat. Und ist es nicht die Kennmelodie dieser Fluglinie? Das könnte es sein. Das Quintetto Stradavari wird gleich versuchen, mir eine Flugreise anzudrehen. Oder ein paar Mädels im Stewardessenlook werden Werbezeugs in die Menge werfen: Kulis, Kaugummis, Zettelchen oder Gutscheine mit jetzt-gleich-Bucher-Bonus. 20 Prozent. Zuerst dazugerechnet und anschließend wieder abgezogen. Nicht mit mir. Außer vielleicht Kuba, das würde mich schon reizen ... Die Menschen auf der Straße und in den Cafes beginnen neugierig ihre Hälse zu recken. Eine spezielle Spannung liegt in der Luft. Ein melodiöses Schwirren ... Interessant, wie der Kopf die Singstimmen des bekannten Liedes wie automatisch hinzufügt. Alles nur Einbildung? Aus allen Richtungen klingt jetzt der imaginäre Chor. Kommt langsam näher. Nein, das ist kein Hirngespinst. Menschen aus Fleisch und Blut sammeln sich langsam auf der Straßenkreuzung vor dem Cafe. Das Summen geht langsam in einen kräftigen Chor über: A-ra-va-re tu-e va-te klingt es voll aus aller Munde. Das ist es also: Eine Gruppe von religiösen Menschen inszeniert hier eine Prozession unter freiem Himmel. Ob jetzt gleich der schwarz gekleidete Herr mit den grauen Haaren in der Mitte der Gesangsjünger eine Predigt beginnen wird? Bekehrt euch zu diesem oder jenem! Oder gar ein Moralappell! Oder ein Aufruf zugunsten der vielen Flüchtlinge, die in ihrer Verzweiflung vom nahem Afrika an die Küsten Italiens gespült werden! A-na-ma-na coo-le ra-we a-ka-la ... Aber nichts von alldem. So wie der Spuk entstanden ist, löst er sich auch schon wieder auf. Der Chor verklingt. Sänger und Sängerinnen verlieren sich wieder im Menschengetümmel. Ein letztes mal improvisiert der Klarinettist in die möglichsten Höhen seines Instruments. Ein allerletztes tomtom und basta. Da und dort möchte jemand applaudieren. Doch es ist ja niemand mehr da, den es zu beklatschen gäbe. So bleibt der Applaus nur ein zaghafter Versuch. Wem würde er eigentlich gebühren? Was war da los ... Die Flötistin dreht sich noch einmal um und beantwortet die Frage: »Wir sind der Kärntner Madrigalchor und singen heute Abend in der Basilica Santa Eufemia.« Dort wird dann nach dem berührenden Konzert der Applaus nachgeholt. Was das Zeug hält. Schön wars. Und was meint Wikipedia dazu: Der Begriff Flashmob (englisch: Flash mob; flash = Blitz; mob [von mobilis beweglich] = aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel) bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun. Flashmobs gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft (virtual community, Online-Community), die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive direkte Aktionen zu organisieren. Obwohl die Ursprungsidee unpolitisch war, gibt es mittlerweile auch als Flashmob bezeichnete Aktionen mit politischem oder wirtschaftlichem Hintergrund. Für solche zielgerichtete Aktionen wird oft die Bezeichnung »Smart Mob« verwendet.