Der zufriedengestellte Autobus

DER ZUFRIEDENGESTELLTE AUTOBUS
27. Februar 2003
Konzerthaus Klagenfurt
1. März 2003
Spittl in Spittal an der Drau

AUSFÜHRENDE

Solisten
Christina Posch  – Sopran, eine Grüne
Daniel Johannsen – Tenor, Fremdenführer
Sepp Strobl – Bass, Polizist

Kärntner Madrigalchor Klagenfurt
Leitung – Klaus Kuchling

Orchester
KÄFOR – Kärntner Faschingsorchester
Konzertmeister – Klaus Rosson

Komponist, Dirigent, Texter und Sprecher
Peter Planyavsky

PROGRAMM

J.P. Haydn
Ankunftssinfonie

P.P. Bach
Der zufriedengestellte Autobus

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Der Komponist …

… Peter Planyavsky wurde kurz vor seiner Taufe in Wien geboren. Früh wurde seine kirchenmusikalische Begabung entdeckt: schon als Dreijähriger konnte er einen Beichtstuhl von einer Orgel unterscheiden. Deshalb studierte er an der Wiener Musikhochschule weder Balaleika noch Bühnenfechten. Durch Planyavskys Aktivitäten als liturgischer Stiftsgärtner in Schlägl (1968/69) aufmerksam geworden, bewarb sich der Stephansdom erfolgreich um ihn als Domorganisten. Zusätzlich zu dieser Tätigkeit gibt er seit 1980 seine Probleme bei der Berufsausbildung auch an Studenten der Musikhochschule weiter. Auf ausgedehnten Gourmetreisen nach Nordamerika, Fernost und Bopfingen konnet er auch einige Orgelkonzerte geben. Sein wichtigster Beitrag zum Musikleben ist allerdings die Ausgrabung und Herausgabe von UVMW (Unverdient Vergessene Meisterwerke). Planyavsky ist stellvertretender Bundesehrenvorsitzender in der Österreichischen Gesellschaft für das Plagiatswesen und Landeskrummhornwart für Wien und das Burgenland.

Klaus Kuchling:

Geboren in St. Veit an der Glan in der Gegend am Pichl. Selber eine ziemliche Pfeife, konnte es nicht anders sein, als dass es ihn zu allen möglichen Arten von Pfeifen wie magisch hinzog. Backpfeifen, Vogelpfeifen, Wasserpfeifen, Tabakspfeifen und irgendwo dazwischen die Orgelpfeifen. (Den Unterschied aller hier genannten kennt er übrigens heut noch nicht). Somit verbrachte er die ohnehin knapp bemessene Freizeit lieber an der Orgel als an anderen ebenso sinnlosen Orten. Von der Sehnsucht nach Fremdem getrieben, trieb es ihn von Orgel zu Orgel, von eigenartigem Lehrer zu eigenartigem Lehrer und irgendwann dann blieb auch wie durch ein Wunder einmal etwas hängen. Wenigstens genug, um ab 1998 dem Madrigalchor Klagenfurt die fundamentale Möglichkeit zu bieten, an seinen musikalischen Ergüssen teilzuhaben. Dort wirkt er auch heute noch als Person am Rande.

Chor:

Der Kärntner Madrigalchor Klagenfurt singt schon seit 1948, hat seine Besetzung allerdings mehrmals gewechselt. Schon unter seinem Gründungschorleiter Günther Mittergradnegger, in weiterer Folge unter Dr. Nikolaus Fheodoroff und heute unter Klaus Kuchling wurde stets die »Begegnung« in vielfältiger Hinsicht gesucht. Begegnung mit verschiedenen Stilrichtungen – vom Gregorianischen Choral bis zu den skurillen Ergüssen eines Peter Planyavsky – Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen – Evangelische, Orthodoxe, Muslime, Ungläubige, Ostblock, Westblock, Nordblock, Südblock, Akademiker, Bauern, Tellerwäscher. Auch andere Dirigenten – nationale und internationale – hatten das Glück, mit uns arbeiten zu dürfen. Von zahlreichen Auslandsreisen kamen wir oft mit Gottes Hilfe wieder lebendig zurück. Die Auszeichnungen und Preise des Chores können sich sehen lassen. (Kulturpreis, Kärntner Landeswappen, Trophäen von Chorbewerben, Wimpel befreundeter Chorvereinigungen). Die Vielfalt des Madrigalchores ist auch auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert und im guten Fachhandel erwerbbar: nach Konzerten auch bei »Ullis Bauchladen«.

Seit Herbst 1998 bietet der Chor die Basis für Klaus Kuchlings musikalische Weiterentwicklung. Die gesetzten künstlerischen Akzente sind durchaus beachtlich. Das Programm für 2003 birgt neben den Faschingskonzerten auch so manche seriöse Überraschung; es lohnt sich also durchaus, am Ball zu bleiben.

Orchester:

Das KÄFOR (Kärntner Faschings-Orchester) wurde gegründet, nachdem dies wegen einiger Einladungen zu wichtigen Konzerten nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Die Mitglieder des Ensembles zeichnen sich durch hohe Motivation, auffallend hübsche Gesichtszüge (Ausnahme: 3. Horn) und Reaktionsschnelligkeit aus. Es ist ein schöner Zufall, dass die überwiegende Anzahl der Mitglieder auch ein Instrument spielen kann. Der Klangkörper tritt in verschiedenen Besetzungen und – damit kongruent – verschiedenen Namen auf, etwa für Freiluft- und Jagdveranstaltungen (Hirsch-KÄFOR), Maiandachten (Marien-KÄFOR) oder auch für die berüchtigte TV-Show mit Pseudo-Volksmusik (Mist-KÄFOR).

… und nun doch noch ein paar ernste Worte …

»Der zufriedengestellte Autobus« war ein Kompositionsauftrag des ORF. Die Idee zu einer umfangreichen Barockmusik-Parodie stammte vom damaligen Leiter des Rundfunkchores Erwin Ortner, der auch die Uraufführung im Wiener Funkhaus am 20. Januar 1985 leitete.

Im Lauf der Zeit wurden für manche Teile Textmutationen erstellt, die auf die lokale bzw. aktuelle Situation Bezug nehmen; auch Dialekte fanden ihren Niederschlag. Die Aufführung im Konzerthaus Klagenfurt bringt im Prinzip die zweite Wiener Fassung mit geringfügigen Adaptionen auf Kärntner Verhältnisse.

Die gute Akzeptanz des »Autobus« ermutigte die Verantwortlichen im ORF zu zwei weiteren Kompositionsaufträgen. Am 1. April 1987 wurde die Mozart-Parodie »Die Schaffnerin aus Liebe« (ein Singspiel für 5 Solisten, Chor und Orchester) und die »Ankunftssymphonie« uraufgeführt.

»Die Schaffnerin aus Liebe« ist für Faschingskonzerte 2004 in Klagenfurt in Planung.


Faschingskonzert
1. März 2003
KLEINE ZEITUNG

»P.P« und die ganze Welt steht auf dem Kopf

Der Madrigalchor war narrisch guat in Form.

Ein Requiem, luftig und locker wie ein Souffle. Ein Frühlingslied, das wie ein Trauerkloß im Magen liegt. Und anstelle der »Abschiedssinfonie« von J. Haydn die »Ankunftssynfonie« von J.P. Haydn.

Die Welt steht auf dem Kopf und schuld ist Peter Planyavsky. Der Wiener Organist und Komponist betätigt sich nämlich auch als »Herausgeber unverdient vergessener Meisterwerke«, die, seltsamerweise immer von Komponisten mit dem Initial »P« im Namen stammen und Assoziationen an in Erinnerung gebliebene Meisterwerke wecken – allerdings mit wesentlich mehr Humor gewürzt sind.

Das erste Faschingskonzert des Madrigalchores bewies, dass intelligenter Witz durchaus auf »lei lei« verzichten kann. Unterstützung kam vom Käfor (das gut gelaunte Kärntner Faschings-Orchester unter Planyavsky) und von drei Solisten.

Denn im zweiten Teil des Konzertes stand »Der zufriedengestellte Autobus« von P.P. Bach auf dem Programm: Ein Autobus samt Touristen (der Madrigalchor narrisch guat in Form) und Fremdenführer (mit wortdeutlichem, schlankem Tenor Daniel Johannsen), ein Polizist (Sepp Strobl) und eine Grüne (Christina Posch) machen sich nach launigen Querelen gemeinsam auf zum Heurigen.

Ein vergnüglicher Abend – nicht zuletzt Dank Planyavskys höchst amüsanten »musikwissenschaftlichen« Erläuterungen.

Marianne Fischer


Faschingskonzert
1. März 2003
KÄRNTNER TAGESZEITUNG

Ironische Gags am laufenden Band

Der Madrigalchor zeigte neue Wege, um den Fasching »intelligent« zu zelebrieren.

Die Initialen »P. P.« standen beim ersten Faschingskonzert des Madrigalchors im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die gesamte Musikwelt wurde auf den Kopf gestellt, und schuld an diesem Dilemma war der Wiener Organist und Komponist Peter Planyasky. Er verstand es blendend, unverdient in Vergessenheit geratene Meisterwerke, die von Komponisten mit dem Namen »P« im Namen stammen, auf die Schaufel zu nehmen.

Die Aufführung fungierte als Musterbeispiel dafür, dass die närrische Zeit gut auf Slogans wie »wai wai« und »lei lei« verzichten und durch intelligenten Wortwitz Lachkrämpfe provozieren kann. Unterstützung bei der Ironisierung erhielt der Madrigalchor Klagenfurt vom »KÄFOR« – das Kärntner Faschingsorchester unter der Leitung von Planyavsky – und von drei Solisten.

Eine lustige Reise

Im zweiten Teil des Konzertes fuhr »Der zufriedengestellte Autobus« von »P. P. Bach« zum Heurigen: Der Spaß blieb bei diesem Trip nicht aus, da sich die Insassen in pikante »Duelle« verstrickten. Als besonders witzig stellten sich die wissenschaftlichen Sprüche von Planyavsky heraus, die mit Wortspielen und Gags garniert waren.

C. Hauer


Faschingskonzert
April 2003
CHOR AKTUELL

Faschingskonzerte mit Madrigalchor

Der Kärntner Madrigalchor Klagenfurt (künstlerische Leitung Klaus Kuchling) realisierte ein neues Projekt gemeinsam mit der Kärntner Sparkasse und der »Kärntner Woche«: Faschingskonzerte in Klagenfurt und in Spittal/Drau.

Bei diesen Chor-Orchesterkonzerten gelangten mehrere musikalische Parodien des Wiener Domorganisten und Komponisten Peter Planyavsky zur Aufführung:

»Die Ankunftssymphonie« – eine Komposition, bei der eine aus Haydns »Abschieddssymphonie« bekannte Idee aufgegriffen und »invertiert« wurde, sowie zwei Stücke für Chor a cappella: »Requiem Hilaris«, luftig und locker, sowie »Frühlingslust«, geprägt von Vorhalten und Chromatik, Trauer und Behäbigkeit. Im zweiten Teil des Konzerts wurde »Der zufriedengestellte Autobus« aufgeführt, eine Bach-Kantaten-Parodie für Soli (Sopran, Tenor, Bass), gemischten Chor und Orchester, musikalische Parodien, deren Witz nicht nur in musikalischen Ungereimtheiten, sondern in der besonderen Diktion und im Text liegt. Der Text wird jeweils auf lokale Bezüge umgeschrieben. Die beiden Konzerte wurden vom Komponisten geleitet. Von einigen Sängerinnen und Sängern des Kärntner Madrigalchors war zu hören: »Allein schon die Proben mit Peter Planyavsky waren ein Erlebnis«.

Außerdem wirkten mit: Christina Posch (Sopran) als Grüne, Daniel Johannsen (Tenor) als Fremdenführer, Josef Strobl (Bass) als Polizist und das Kärntner Faschingsorchester mit Konzertmeister Klaus Rosson.

Das Publikum war von den Leistungen der Akteure sehr angetan, applaudierte entsprechend und erhielt auch eine Zugabe: in Kärnten aufgefundene (fiktive) Choräle und deren Entwicklung bis hin zu Günther Mittergradneggers »Is schon still uman See«, der zweiten Kärntner Landeshymne.

Peter Planyavsky schien ein wenig überrascht, dass so gut wie alle im Publikum dieses Kärntnerlied mitsingen konnten. Nicht zuletzt wurde damit auch an den 80. Geburtstag des viel zu früh von uns gegangenen Günther Mittergradnegger verwiesen.

In der Kleinen Zeitung stand,  »der Madrigalchor war narrisch guat in Form«. Damit sei auch bewiesen worden, dass intelligenter Witz ankommt und auf »lei lei« der diversen Faschingssitzungen verzichten kann.

H. O.