Madrigalchor Klagenfurt

Carinthischer Sommer – Eröffnung CCV

CARINTHISCHER SOMMER –
Eröffnung des CCV
Festkonzert der Stadt Villach
1. August 1999
Congress Center Villach

AUSFÜHRENDE

Rudolf Buchbinder –  Ehrenmitglied des Carinthischen Sommers
Klavier und Leitung

Bamberger Symphoniker

Kärntner Madrigalchor Klagenfurt
Einstudierung – Klaus Kuchling

A cappella Chor Villach
Einstudierung – Helmut Wulz

PROGRAMM

Wolfgang A. Mozart (1756-1791)      
Konzert für Klavier und Orchester C-Dur, KV 246,  »Lützow-Konzert«
Allegro aperto
Andante
Rondeau, Tempo di Menuetto

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3, c-Moll, op. 37
Allegro con brio, alla breve
Largo
Rondo Allegro
Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-Moll, op. 80


Carinthischer Sommer
3. August 1999
KLEINE ZEITUNG 

Abschied von der Betonakustik

Rudolf Buchbinder und die Bamberger Symphoniker eröffneten musikalisch das runderneuerte CCV, sprich Congress Center Villach.

Die Zeiten der Betonakustik im Festspielhaus des Carinthischen Sommers sind vorbei. Im Zuge der gelungenen architektonischen Umgestaltung ist auch der große Saal zu einem Resonanzraum geworden, der keine Wünsche mehr offen läßt. Dies wurde im Eröffnungskonzert mit Rudolf Buchbinder und den Bamberger Symphonikern eindrucksvoll demonstriert. Sollte Adolf Loos recht haben, daß – analog zum Auto – auch ein Musiksaal gut oder schlecht »eingespielt« werden kann, dann wurden mit der Aufführung von Werken Mozarts und Beethovens die Weichen richtig gestellt.

Irritation. Im Zentrum des Konzerts stand das 3. Klavierkonzert Beethovens, so sehr sogar, daß es seinen Schatten auf Mozart vorauswarf. Dessen Klavierkonzert in C-Dur (KV 246) verlor dadurch etwas von seiner jugendlichen Unbeschwertheit und ausgeglichener Balance. Die Irritation liebgewordener Hörgewohnheiten kann aber auch erhöhte Aufmerksamkeit bewirken und damit für jene Passagen sensibilisieren, in welchen sich Buchbinders erstaunliche Interpretationskunst entfaltet: besonders in seinen Kadenzen und der Art, wie er die Pausen als Möglichkeiten einsetzt, Spannungen zu erzeugen. Mag man auch über die Personalunion von Solisten und Dirigenten geteilter Meinung sein: In diesem Fall war sie für die subtile Koordination der Übergänge von Klavier und Orchester vorteilhaft. Damit das auch wirklich gelingt, bedarf es aber eines Klangkörpers von der Qualität der Bamberger.

Die Aufführung von Beethovens Klavierkonzert wurde höchsten Ansprüchen gerecht. Schon die Einleitung mit ihrer nuanciert gesteigerten Dynamik und Kontrastierung gab das Niveau vor, auf dem sich die weitere Entwicklung bewegte. Auf der Grundlage eines perfekten Zusammenspiels, wobei der sonore Klang der tiefen Streicher besonders auffiel, konnten die Themen ihre markanten Profile und deren Verarbeitung ihren Reichtum voll entfalten. Da hier wiederum die Reminiszenzen an Mozart und im dritten Satz Vorklänge an die Romantik besonders betont wurden, erschlossen sich Dimensionen, wie sie nur selten erfahrbar werden.

Fantasie. Den Abschluß bildete Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester, die nur selten aufgeführt wird, da sie sicher nicht zu dessen Meisterwerken gerechnet werden kann. Sie wirkt wie eine gebastelte Gelegenheitsarbeit mit effektbewusstem Imponiergestus. Dazu kommt noch ein von blumigem Kitsch triefender Text, der, wenn ihn die sechs Solisten anstimmen, noch an Komik gewinnt. Dennoch macht die Musizierfreude aller Mitwirkenden diese Fantasie zu einem so amüsanten Hörerlebnis, daß sich das Publikum zu Standing Ovations veranlaßt fühlte. Daraufhin ließ Buchbinder die Chorpassage (Madrigalchor Klagenfurt und A-cappella Chor Villach) wiederholen. Da es sich um ein festliches Eröffnungskonzert handelte, war ja die gute Stimmung, mit der dieser Abend endete, die Hauptsache.

Erik Adam