Madrigalchor Klagenfurt

60 Jahre Madrigalchor – Jubiläumskonzert

JUBILÄUMSKONZERT
60 JAHRE KÄRNTNER MADRIGALCHOR KLAGENFURT
15. November 2008
Konzerthaus Klagenfurt

AUSFÜHRENDE

Solo
Lena Kuchling

Saxofon
Wolfgang Puschnig

Klavier
Elisabeth Fheodoroff
Karen Asatrian 

Kärntner Madrigalchor Klagenfurt

Dirigent
Klaus Kuchling

Moderation
Birgit Morelli 
Hans Mosser

PROGRAMM

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
Der 100. Psalm  
Jauchzet dem Herrn alle Welt

Giovanni Gastoldi (1550-1622)
aus: Balletti a 5 voci
Questa dolce Sirena, Balleto

Günther Mittergradnegger (1923-1992)
Drei deutsche Volkslieder  
– Der Wächter auf dem Türmlein saß
– Schönster Abendstern
– Es gibt kein schönres Leben

Karol Pahor (1896-1974)
Pa se sliš

Gabriel Faurè  (1845-1924)
Cantique de Jean Racine, Op. 11
Klavier – Elisabeth Fheodoroff

John Rutter (*1945)
My true love hath my heart
The Lord bless you and keep you
Klavier – Elisabeth Fheodoroff

Leonhard Lechner (1553-1606)
Gott b`hüte dich

Franz Koringer  (*1921)
Die zwei Wurzeln
Text: Christian Morgenstern

P.D.Q. Bach (1742-1808)
By the leeks of Babylon

Peter Planyavsky (*1947)
Das Lied von Rot und Tot

Orlando di Lasso (1532-1594)
aus: Sechs Teutsche Lieder
Audite nova

Peter Planyavsky (*1947)
Instrumentalstück für Chor
Uraufführung

Nikolaus Fheodoroff (*1931)
Die Entwicklung der Menschheit
Text: Erich Kästner
Uraufführung

Manfred Länger (*1968)
64 Ausreden, nicht in einem Chor zu singen
Uraufführung

Kurt Muthspiel/Ines Reiger
Summerlång
Voice – Lena Kuchling
Saxophon – Wolfgang Puschnig
Klavier – Karen Asatrian

Kärntnerlieder

Das Konzert wurde vom ORF – Landesstudio Kärnten (Karl Altmann) aufgezeichnet und Ausschnitte davon wurden am 22. Jänner 2009 um 20:04 h  in der Sendung Musik im Land, moderiert von Josef Nadrag ausgestrahlt.


Chorischer Werdegang

60 Jahre Kärntner Madrigalchor Klagenfurt …

… bedeutet 60 Jahre Chorgesang mit hohem Anspruch, ein breites und vielfältiges Repertoire, die Pflege von Bewährtem ebenso wie die stete Hinwendung zu neuerer, insbesondere auch zeitgenössischer Literatur, das Überschreiten von nationalen und musikalischen Grenzen, eine rege und fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen Chören und Chorleitern, eine Reihe von nationalen und internationalen Auszeichnungen, vor allem aber auch das »Leben« in einer Gemeinschaft, die nicht nur durch das Interesse an gemeinsamer musikalischer Arbeit, sondern durch gegenseitigen Respekt, Toleranz und viel Humor getragen wird.

… bedeutet musikalische Vielfalt und Breite: Es kann wohl als ein »Markenzeichen« des Chores angesehen werden, dass sein Repertoire stets außerordentlich breit und vielfältig war und ist. Es umfasst sämtliche Stilepochen und Stilrichtungen der Chorliteratur vom gregorianischen Choral bis zur zeitgenössischen Musik, vom »namengebenden« Madrigal bis zu den großen Chor-Orchesterwerken, vom Kärntnerlied bis Jazz.

… bedeutet Setzen von Akzenten in der Kärntner Chormusik: Als prägend bezeichnet werden können die zahlreichen Chor-Orchesterwerke, die der Chor zur Aufführung brachte; nur beispielsweise genannt seien die Matthäus- und Johannespassion von Bach, dessen »Hohe Messe« oder das »Weihnachtsoratorium«, Beethovens »Missa Solemnis«, Brahms »Deutsches Requiem«, Bruckners »Messe in e-Moll«, »Die Schöpfung« von Haydn, Heillers »Vesper«, »Der Messias« oder »Israel in Ägypten« von Händel, »Requiem in d-Moll« von Mozart oder Schuberts »Deutsche Messe«.

… bedeutet Pflege von »Bewährtem«, aber auch die stete Hinwendung zu Neuem: In der musikalischen Ausrichtung des Chores nahm die Interpretation von Volksliedern, Madrigalen und Motetten stets breiten Raum ein. Des Gleichen war und ist es ein »Anliegen« des Chores, auch zeitgenössische Werke zur Aufführung zu bringen. So etwa Werke von Fheodoroff, Heiller, Husa, Honegger, Kleinschuster, Orff, Martin, Planyavsky, Schlee oder Scherr. Zahlreiche Uraufführungen wurden dem Madrigalchor anvertraut.

… bedeutet »Grenzüberschreitungen«: In den vergangenen 60 Jahren hat der Madrigalchor zahlreiche Reisen ins nahe und ferne Ausland wie etwa Deutschland, Belgien, Italien, Frankreich, Spanien, Kroatien, Bosnien, Russland, Chile, Mexiko, Guatemala, Südafrika und USA unternommen. Der Chor hat aber auch in musikalischer Hinsicht Grenzen (nämlich  jene des typischen Chorrepertoires) be- und überschritten, etwa durch die Mitwirkung an der Theaterproduktion von Arthur Honeggers »Jeanne dÀrc«, durch die Aufführung von John Surman`s »Proverbs and Songs« oder wenn der Chor Manfred Längers Stück »Aufführn« aufführt (und dabei gar nicht singt).

… bedeutet zahlreiche musikalische Begegnungen mit anderen Chören – wie etwa dem A-Cappella-Chor Villach, dem Singkreis Porcia, dem Gemischten Chor  Danica und dem Juventus Musica (Schulchor des BRG Viktring) – und die Zusammenarbeit mit anderen Chorleitern wie etwa Milan Horvat, Bogo Leskovic und Wolfgang Hausschildt.

… bedeutet zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, wie beispielsweise erste Preise bei den Wettbewerben in Arezzo/Italien 1954, in Middlesborough/England 1966 oder in Roodeport/Südafrika 1991. 1974 wurde der Chor mit dem Kulturpreis des Landes Kärnten ausgezeichnet. Seit 1989 ist der Chor berechtigt, das Kärntner Landeswappen zu führen. 2008 wurde der Chor anlässlich seines Jubiläumskonzertes mit dem Klagenfurter Stadtwappen ausgezeichnet.

… das  bedeutet bislang drei Chorleiter, nämlich Günter Mittergradnegger, der den Chor 1948 gegründet hat und bis 1974 leitete, Nikolaus Fheodoroff, dem die Leitung von 1974 bis 1998 anvertraut war, und Klaus Kuchling, der seit 1998 der musikalische Leiter ist. Die musikalische Ausrichtung des Chores wurde von Günter Mittergradnegger grundgelegt, nämlich die Erarbeitung eines breiten, alle Stilrichtungen und Stilepochen umfassenden Repertoirs. Dieser Anspruch wurde von seinen Nachfolgern konsequent weiterverfolgt. Freilich wurden in diesen »drei Epochen« der Chorgeschichte auch unterschiedliche Akzentuierungen gesetzt. Wurde unter Günter Mittergradnegger vor allem die Volksliedpflege sowie die Interpretation von Madrigalen und Motetten eine beispielgebende, so wurden unter Fheodoroff neben einer Verbreiterung des Repertoirs verstärkt große Chor-Orchesterwerke zur Aufführung gebracht. Klaus Kuchling wiederum wagt sich zudem auch an andere Genres der Chorliteratur heran, wie beispielsweise Jazz (zB Surman´s Proverbs and Songs), Humoriges (Faschingskonzerte von Peter Planyavsky) oder Sprechstücke für Chor (zB Manfred Längers »Aufführn«}. Im Vorjahr unternahm der Chor – und das erstmals in Kärnten – die Gestaltung eines Evensong, ein aus der Tradition der Anglikanischen Kirche stammendes gemeinschaftliches Abendgebet, das Elemente der Vesper und des Komplet enthält.

… bedeutet vor allem auch ein Ort der Begegnung zu sein. Der Madrigalchor Klagenfurt ist eine Gemeinschaft, die stets wächst und sich verändert, und die nicht nur durch die Freude am gemeinsamen Musizieren zusammengehalten wird. In dieser Gemeinschaft wurden Ehe- und Lebensgemeinschaften »vermittelt« und vor allem auch lange währende Freundschaften begründet. Die Tatsache, dass der Chor in sechzig Jahren erst »beim dritten Chorleiter« hält könnte man als ein »Gütezeichen für Kommunikationsfähigkeit« ansehen, denn wo viele Menschen zusammentreffen, treffen auch unterschiedliche Interessen aufeinander. Der Ausgleich dieser unterschiedlichen Interessen gelingt, weil das Zusammenleben im Chor durch Offenheit, Toleranz, Kritikfähigkeit und viel Humor geprägt ist. Und es sind eben auch diese Attribute die bewirken, dass sich sowohl der Wechsel der Chorleiter als auch der Wechsel der Generationen von Sängerinnen und Sängern ohne größere Brüche vollzog. Singen im Madrigalchor bedeutet auch gemeinsam Feste feiern, gemeinsam »eine Probe nachbesprechen« und sich im besten Sinne des Wortes einer großen Familie zugehörig fühlen. Die »Lebensgemeinschaft Madrigalchor« ist eine gefestigte, und gerade auch aus diesem Grund eine leistungswillige und leistungsfähige musikalische Gemeinschaft.

Dr. Doris Hattenberger


Jubiläumskonzert
Dezember 08/Jänner 09 
DIE BRÜCKE 

Die Stimmen der Stimme der Musik*

60 Jahre Kärntner Madrigalchor Klagenfurt

Der Kärntner Madrigalchor Klagenfurt nimmt sich da »kein Blatt vor den Mund« – er feiert gerne grosse Jubiläen. Diesfalls sind es gerade 60 Jahre des eigenen Bestehens, davon zehn Jahre unter der künstlerischen Leitung von Klaus Kuchling. Der Klangbogen der Singgemeinschaft ist also nicht nur in musikalischer, sondern auch in zeitlicher Hinsicht enorm.

1948 wurde der Chor von Günther Mittergradnegger, der Institution für Volksliedpflege, gegründet und mit viel Enthusiasmus zu einer immer größer werdenden Gruppe sangesfreudiger Idealisten aus ganz Kärnten ausgebaut, die sich vielfach in der damaligen LBA (Lehrerbildungsanstalt) zusammengefunden hatten. Die Ziele, die man sich von Anfang an steckte, waren hoch, es wurde nicht gekleckert:  Madrigale, Motetten, Gregorianische Choräle standen gleich zum Einstieg am Programm.

Der Nachfolger Mittergradneggers, der Lehrer und Komponist Nikolaus Fheodoroff, legte noch ein wenig nach und so gab es ab 1974 Passions- und Oratorienkonzerte und Messeaufführungen mit Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel oder Gottfried von Einem. Traditionsbewusstsein und Heimatverbundenheit bedingten aber auch, dass das Kärntnerlied nie zu kurz kam, schließlich stammen zahlreiche Schöpfungen aus der Feder des Chorgründers selbst.

Die Paradestimmen der Kärntner Chormusik ertönten schon früh über die Grenzen hinaus, nämlich ab den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Bei den Auslandsreisen etwa nach Italien, Großbritannien, Südamerika – oder gerade im Jahr des Prager Frühlings 1968 hinter den »Eisernen Vorhang« in die CSSR – vermochte der Madrigalchor Klagenfurt immer wieder sein Können unter Beweis zu stellen. Zur Belohnung gab es einerseits begeisterte Zuhörer bei den Konzerten und andererseits zahlreiche Preise bei internationalen Chorwettbewerben, beispielsweise in Südafrika. Diese Erfolge und einfühlsame Chorleiter waren wohl damals schon Ansporn für die »halb-professionellen« und jedenfalls leistungsgeforderten Sänger, sich in ihrer Freizeit mit Leib und Seele der Chorgemeinschaft zu widmen. Intensive Proben, kostenaufwändige Fahrten, vereinsübliche Zwischenmenschlichkeiten, das alles konnte die musikalischen Botschafter nicht davon abhalten, weiterzumachen.

Neuerlich frischen Wind in die Gemeinschaft brachte dann Klaus Kuchling, als er 1998 den Chor als künstlerischer Leiter mit – im Vergleich zu seinen Vorgängern – nicht minder anspruchsvollen Ambitionen übernahm. Der Vollblutprofi in Sachen Orgel- und Kirchenmusik sorgte dafür, dass das Repertoire des Kärntner Madrigalchores Klagenfurt noch verbreitert wurde. Heute, wieder zehn Jahre später, weiß man, der Dirigent ist ein Garant für exzellente Literaturauswahl, von der Klassik bis zur modernen Chormusik.

Im Jubeljahr 2008 haben Chor und Chorleiter gleich von Anfang an ihrer Freude über das 60-jährige Bestehen entsprechend Stimme gegeben. Den Auftakt machte im Jänner ein Gedenkkonzert für den Gründer Günther Mittergradnegger. Als Teil der heurigen Glanzleistungen folgte im April ein Chor-/Orchesterkonzert als Resultat aus der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Schülerchor »Juventus Musica« des BRG Viktring sowie dem Chor der Pädagogischen Hochschule, beide unter der Leitung von Karin Kraßnitzer. Waren es 2006 »Die Schöpfung« von Haydn und 2007 die »Chichester Psalms« von Bernstein, so wurden heuer mit so bekannten Solisten wie Alexander Kaimbacher oder Bartolo Musil zwei Komponisten mittels Zeitmaschine in unser Jahrhundert versetzt: »Händel trifft Bach«.

Überhaupt setzt man auf die offenen Begegnung mit anderen Chören, weshalb nicht nur dank einer weiteren Kooperation, mit dem heuer ausgezeichneten Gemischten Chor Danica, das slowenische Volkslied gepflegt wird. Verschiedene A-cappella-Konzerte, mit weltlichen und geistlichen Chorwerken aller Stilepochen, sorgten für auftrittsintensive Monate. Highlight des Jahres war aber mit Sicherheit das Jubiläumskonzert am 15. November, ebenfalls im Klagenfurter Konzerthaus, mit spannenden, weil auch humorvollen Inhalten: Besonderes hatte man sich ausgedacht, mit dem Anspruch, Vokalmusik »zum Nachdenken, zum Lachen, zum Weinen oder einfach zum Genießen und Zurücklehnen« darbieten zu wollen. Gustostücke für die Ohren waren Uraufführungen von Nikolaus Fheodoroff, Peter Planyavsky und Manfred Länger, die eigens für das Konzert komponiert wurden. Die Komponisten überzeugten sich übrigens persönlich von der künstlerischen Reife des 60-jährigen Chores – und waren sichtlich stolz. Zu einem Ausflug in die Jazzmusik verführten bekannte Szenegrößen wie Wolfgang Puschnig am Saxofon und der Pianist Katen Asatrian zusammen mit der jungen Sängerin Lena Kuchling, des Meisters Tochter. Darüber hinaus sang man Bewährtes und Bekannteres, vielleicht vom einen oder anderen im Publikum schon selbst Gesungenes. Auffallend ist aber, dass beim Kärntner Madrigalchor Klagenfurt die musikalischen Schwingungen offenbar ein Phänomen bewirken – der Chor wird immer älter, seine Mitglieder jedoch immer jünger.

Selbst nach dem abwechslungsreichen und einsatzfordernden Jubiläumskonzert gibt es für die derzeit etwa 60 aktiven Sänger und ihre Stimmbänder noch keine Pause. Die nächsten Auftritte sind schon geplant, einer davon am 20. Dezember beim Weihnachtskonzert im Dom zu Klagenfurt. Unter der administrativen Leitung der engagierten Obfrau Sylvia Schratter hat man sich auch für das nächste Jahr so einiges vorgenommen, etwa die Mitwirkung beim Maria Saaler Kirchenmusik-Projekt „Kultur.Raum.Kirche“. Und, nicht zu vernachlässigen, die Aufnahme einer neuen CD steht aufgrund der großen Nachfrage im Raum. Der Grundtenor scheint also zu lauten: »Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum…«

(*frei nach Michael Lentz)

Nicole Richter


Jubiläumskonzert
27. November 2008 
KLAGENFURT STADTZEITUNG 

Stadtwappen zum »60er«

Gratulation. Bgm. Harald Scheucher und Kulturstadtrat Albert Gunzer verliehen Klaus Kuchling und Sylvia Schratter – dem künstlerischen Leiter und der administrativen Leiterin des Madrigalchores – das Recht zur Führung des Klagenfurter Stadtwappens

60 Jahre Madrigalchor Klagenfurt und 10 Jahre Chorleiter Klaus Kuchling – zwei stolze Jubiläen, für die diese musikalische Institution mit dem Stadtwappen ausgezeichnet wurde!

Der Madrigalchor Klagenfurt darf ab sofort Vereinslogo, Briefpapier, Publikationen mit dem Klagenfurter Stadtwappen versehen. Dieses Recht, das »Recht zur Führung des Klagenfurter Stadtwappens«, bekommen ausschließlich Unternehmen, Vereine und Institutionen, die zumindest 50 Jahre bestehen und sich in besonderer Weise um die Landeshauptstadt Klagenfurt verdient gemacht haben. 1948 von Günther Mittergradnegger gegründet, zählt der Madrigalchor Klagenfurt zu den herausragendsten Chören des Landes und ist unter seinem Leiter Klaus Kuchling so ganz nebenbei auch zu einem der innovativsten Klangkörper des Alpen-Adria-Raumes geworden. Der Chor begeistert sein Publikum mit weltlichen und geistlichen Chorwerken aller Stilepochen und hörenswerten Uraufführungen. Als nächstes plant Kuchling ein Gesamtkunstwerk mit Malern, Tänzern, Sprach- und Tonkünstlern und drei- bis vierchörige Psalmen zu intonieren.


Jubiläumskonzert
17. November 2008 
KRONEN ZEITUNG 

60 Jahre Madrigalchor: Festreden, Stadtwappen, 5000 Euro

Schwelgen in feinsten Klängen

Drei Minuten Feiern pro Jahr ist eigentlich nicht viel. Aber bei 60 Jahren summiert sich das zu drei Stunden: Dem Jubiläumskonzert des Madrigalchors hätten Samstag im Konzerthaus Klagenfurt verbale Kürzungen gut getan. Musikalisch war, wie nicht anders zu erwarten, vor übervollem Haus alles vom Feinsten.

Der Klangkörper, der seit zehn Jahren nach Klaus Kuchlings »Pfeife tanzt« (was die »Madrigi« mit einer musikalischen Überraschung »kommentierten«), kann alles und zeigte das auch. Madrigale sowieso, fein, rein, durchlässig. Sanftes romantisches Schwelgen, von slowenisch bis englisch. Witzige Vertonungen, tolle Bearbeitungen von Volkslied bis zur »Choralfassung« von Old Mac Donalds Farm. Dazu drei Uraufführungen, von Peter Planyavsky, Nikolaus Fheodoroff und Manfred Länger, jede von eigenem Reiz. Eine Jazz-Version von »Summerlång« (mit illustren Gästen) zum Drin-Baden… und Kärntnerlieder, die das Publikum »entlarvten«: beim kundigen Mitsingen.

Frieda Stank


Jubiläumskonzert
15. November 2008 
KLEINE ZEITUNG 

Ein ganzer Chor geht auf ein Gansl

60 Jahre gut gestimmt: Mit »64 Ausreden, nicht in einem Chor zu singen« und anderen Lustbarkeiten feiert der Madrigalchor Geburtstag.

Na, bravo. Der Chorleiter sagt: »Ich stelle mich nicht ins Klagenfurter Konzerthaus, wenn ich mit der Qualität nicht zufrieden bin«. Seine Sänger finden »64 Ausreden, nicht in einem Chor zu singen«. Und trotzdem ist alles in bester Ordnung.

Die »Ausreden« stammen von Manfred Länger und sind eine von drei Uraufführungen, mit denen der Madrigalchor heute sein 60-jähriges Jubiläum besingt. Mit einer Komposition auf Erich Kästners »Die Entwicklung der Menschheit« zeigt sich Nikolaus Fheodoroff »so, wie man es ihm überhaupt nicht zutraut«, streut Chorleiter Klaus Kuchling seinem Vorgänger Rosen und hofft, »dass die Schwierigkeit nicht zu hören ist, sondern die Pointe rüberkommt«. Von Peter Planyavsky kommt (O-Ton Kuchling) »ein Instrumentalstück für Chor, das zum Schreien ist«.

Wer dann noch kann, wird sich über ein Ganslstück mit mittelalterlichem  Gansl-Rezept ebenso freuen wie über geistliche Hits. Bei einigen Stücken begleitet Elisabeth Fheodoroff (Klavier), Jazziges steuern Wolfgang Puschnig, Karen Asatrian und Kuchlings in Wien Gesang studierende Tochter Lena (20) bei.

Chorkultur

Nicht fehlen darf das Kärntnerlied. »Das hat immer einen Platz in unseren Programmen und zeigt die Vielfalt der musikalischen Stile des Madrigalchores«, betont Klaus Kuchling. Sich ausschließlich dem Kärntnerlied zu widmen, sieht er hingegen nicht als Herausforderung. Die Chorakademie hält Klaus Kuchling  für ein »wichtiges Signal«.

Das Signal an Kuchling kam vor mittlerweile 10 Jahren von Nikolaus Fheodoroff, der ihm die Übernahme des Madrigalchores anbot. Mit »zitternden Knien« habe er irgendwann doch »Ja« gesagt, sah Kuchling den Namen des Chores, der in den damals 50 Jahren seines Bestehens nur zwei Chorleiter gehabt hat: die Kaliber! Günther Mittergradnegger (1948-1974) und Fheodoroff (1974-1998). Das »Gott b`hüte dich« vor zehn Jahren im Konzerthaus war mehr als ein Konzert-Motto.

Das größte Problem damals für Klaus Kuchling war allerdings, dass mit Nikolaus Fheodoroff ein Drittel der erfahrenen Sänger ging. Hauptsächlich Frauen, zu wenig Männer, viele Ideen auf der einen Seite und sein Ehrgeiz, der auch einen Profi-Chor ordentlich hergenommen hätte – Chor und Chorleiter mussten sich erst einmal zusammenraufen. Heute ist das Durchschnittsalter des Madrigalchors ständig im Sinken, Obfrau Sylvia Schratter (Singstimme Alt) motiviert meisterhaft, denn – so Klaus Kuchling – »Musik, das ist beinharte Arbeit«. Und die »64 Ausreden, nicht in einem Chor zu singen« gibt es nur in concert.

Uschi Loigge


Jubiläumskonzert
14. November 2008 
KLEINE ZEITUNG 

KÄRNTNER DES TAGES

Meister der Harmonie

Klaus Kuchling (45) ist künstlerischer Leiter des Kärntner Madrigalchores Klagenfurt, der morgen im Konzerthaus das 60-Jahr-Jubiläum feiert.

»Empfindungen, die in der Musik ausgedrückt werden, lassen sich transportieren. Das ist für mich das größte Wunder.«  Für Klaus Kuchling, den künstlerischen Leiter des Kärntner Madrigalchores, fängt die Musik nicht da an, wo man die Noten beherrscht, »sondern da, wo man frei wird für das, was hinter den Noten steht.« In seinem »semiprofessionellen Chor mit durchaus professionellen Ergebnissen«, in dem viele Sänger Instrumente spielen und alle perfekt Noten lesen können, gehe »erstaunlich viel weiter«. »Das Schönste für mich ist, wenn das Ganze zu einem Klang wird.«

Die Vielfalt der Musik drückt sich im Repertoire aus. »Kärntnerlieder sind ein wichtiges Kulturgut. Aber ich will den Chor nicht darauf beschränken«, sieht sich Kuchling, mit »großer Hingabe« Domorganist und seit 20 Jahren »mit ganzem Herzen« Lehrer am Konservatorium und Uni-Dozent, verantwortlich dafür, den Chor in allen Stilen zu schulen. »Musik ist keine Behübschung. Sie ist das Ernsteste, das es gibt und zugleich die größte Freude«, sagt Kuchling, der gerne Uraufführungen einstudiert und mit Chororchesterkonzerten Schüler begeistert. Wer sich mit Musik und der darin eingeschlossenen geistigen Welt auseinandersetzt, begebe sich auf die Suche nach Harmonie, werde sensibel für feine Schwingungen. »Musik hat die Kraft, Menschen zu formen«, ist der zweifache Vater, »glücklich verheiratet mit einer ganz tollen Frau«, überzeugt. Der »Kraftquelle« Musik müsse man mehr Stellenwert einräumen, wünscht Kuchling, der gerne wandert, in Dalmatien das Meer genießt oder mit seinem Sohn nachts »Krabben jagen« geht.

In Zukunft möchte er gerne mit Malern, Tänzern, Sprach- und Tonkünstlern ein Gesamtkunstwerk gestalten und drei- bis vierchörige Psalmen von Heinrich Schütz intonieren. Eine CD ist für ihn kein Qualitätsmerkmal, daher hat er in zehn Jahren nur eine produziert. Lieber möchte er junge Menschen dorthin führen, wo sie die Energie, die sie investieren, wieder zurückbekommen. »Die Herzen der Zuhörer und unsere eigenen zu erreichen, ist für mich das Wichtigste«.

Elke Fertschey